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…lebt es sich ganz ungeniert. Sollte eins meinen. Tatsache ist aber, dass wir Menschen dazu angelegt sind, wenigstens im weitesten Sinn zur Gemeinschaft dazugehören zu wollen. Genau deshalb ist es uns eben nicht völlig egal, was andere über uns denken. Insbesondere dann, wenn uns dadurch der soziale Ausschluss droht.
Das hat erwiesenermassen etwas mit unserem Überlebensinstinkt zu tun. Vor nicht allzu langer Zeit war es schlicht tödlich den Schutz der Gemeinschaft zu verlieren. Diese instinktive Veranlagung prägt unser Denken und unser Verhalten auch heute massgeblich. Egal, wie sehr wir uns einreden mögen, wir würden über den Dingen – und den Meinungen anderer – stehen.
Deshalb tun wir – mehrheitlich unbewusst – viele Dinge in unserem Alltag, die in erster Linie dem Zweck dienen, gegen aussen etwas zu zeigen oder eben zu verstecken. Wir leben eben nicht ungeniert.
Insbesondere in der Elternschaft hat jedeR von uns hat schon Dinge gesagt oder getan, wofür er/sie sich heute schämt. Diese Scham ist es, die uns dazu anleitet, das Gesagte oder Getane gegenüber anderen nicht laut heraus zu posaunen. Die Gefahr, dass wir dafür verurteilt und abgewertet werden, ist zu gross und wahrscheinlich real. Wird doch Elternschaft nach wie vor in der Öffentlichkeit zum reinen und ausschliesslichen Glück hoch stilisiert und verromantisiert.
Ich spreche hier in meiner Arbeit sehr viel über Wut, über Scham und Elternschaft. Ich arbeite mit Müttern*, die auf verschiedenste Weisen mit diesen Gefühlen und ihrer Situation hadern und die – im Vergleich zu vielen anderen Eltern – die Wichtigkeit einer Veränderung sehen und den Mut haben, einen neuen Weg einschlagen zu wollen. Für sich und für ihre Kinder.
Nur weil keiner was sagt, heisst das nicht, dass es nicht trotzdem passiert!
Ich habe in meiner Arbeit bis dato keine Mutter* erlebt, die sich nicht für ihre Fehltritte geschämt hat. Obwohl das, was diese Mütter* mir erzählt haben, nichts ist, was nicht in Abermillionen anderer Familien genau so und viel schlimmer passiert und obwohl sie so mutig waren und sich mir geöffnet hatten, in dem sie meine Unterstützung eingeholt hatten. Das erforderte nicht weniger, als dass sie sich gezeigt hatten und sich dadurch verletzlich machten. Ich zitiere hier die herausragende Brené Brown, wenn ich sage:
Mut ist nicht das Gegenteil von Verletzlichkeit. Sich verletzlich zu zeigen, erfordert enorm viel Mut!
Brené Brown
Ich würde diese Aussage – wie übrigens so viele mehr von Brown zum Thema Verletzlichkeit (und Scham) – vollumfänglich unterstreichen. Denn diese Verletzlichkeit auszuhalten, ist mitunter sehr schwer und der Gedanke daran kann furchteinflössend sein. Doch erst wenn wir den Mut aufbringen und uns verletzlich zeigen, können wir wirklich wachsen. Auch wenn das zur Folge hat, dass es Menschen geben wird, die mit dem Finger auf uns zeigen.
Ich setze mich gegen jegliche Form von Gewalt an Kindern sowie für die Gleichwertigkeit von Müttern* und Vätern* in unserer Gesellschaft ein und stosse in meinem realen Umfeld immer mal wieder auf Menschen, die meine Arbeit nicht verstehen können oder wollen. Die teils der schwarzen Pädagogik anhängen oder deren Empathievermögen schlicht nicht ausreicht, um die Tragweite dessen zu erkennen, was es für einen fundamentalen Unterschied macht, ob Eltern gefühlskompetent mit sich und ihren Kindern umgehen können.
Aber es wird sie immer geben, die Menschen, die das Missvermögen der Mütter* den absurden Erwartungen unserer Gesellschaft zu genügen als individuelles Problem Einzelner abtun wollen. Die blind sind für die Nöte der Kinder, denen es an jeglicher Sichtbarkeit in unserem Land fehlt. Genau deshalb spielt es keine Rolle, ob diese Menschen verstehen oder nicht. Sie sind die graue Masse, die sich selbst hier verschlossenen Türen oder Bildschirmen versteckt und deren Meinung hierzu genau deshalb nicht zählt.
Stattdessen sind es die anderen, die den Unterschied machen: Die, die sich verletzlich zeigen. Die, die den Mumm in den Knochen haben, nach aussen zu treten und auch Missstände in der eigenen Familie auszusprechen im Wissen, dass wahrscheinlich mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Die ihr eigenes Verlangen nach sozialem Zuspruch und Zugehörigkeit unterordnen, im Wissen um die Wichtigkeit, dass sie mit ihrer Stimme das schambehaftete Schweigen der andern brechen können. Es sind die, die sich Hilfe und Unterstützung holen, vor denen ich meinen Hut ziehe. Denn mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, statt bei sich selbst aufzuräumen, ist so einfach und bedarf keiner Würdigung durch Anerkennung ihrer Meinung.
Solltest Du an dem Punkt stehen, an dem Du mit Dir, Deiner Elternschaft und Deinen Gefühlen haderst, mag ich Dir Mut zusprechen: Zeig Dich. Mach Dich, Dein Kind und eure Beziehung zur Priorität. Sei gut zu Dir und versorge Dich mit der Hilfe, die Du brauchst. Wenn Du möchtest, unterstütze ich Dich auf Deinem Weg mit meinem Fachwissen, meiner Erfahrung und in dem ich Dir den Raum schaffe, in dem Du frei von Bewertung wachsen darfst.
