Wenn Fühlen zum Davonlaufen ist!

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Lass es mich beim Namen nennen: Die meisten Erwachsenen sind lausig darin negativ konnotierte Gefühle wie Trauer, Wut und Angst auszuhalten. Sie fühlen sich schnell überfordert, wollen sie loswerden und wenn immer möglich vermeiden. Dumm nur, dass sie halt zum Leben dazugehören wie das Amen in der Kirche. Und das ist auch gut so. Denn nicht zuletzt bieten sie den Kontrast zu allem Freudigen und erinnern uns deshalb daran, den Reichtum im eigenen Leben zu schätzen. Aber nicht nur das, sie lassen uns auch innehalten, wenn wir es denn zu lassen. Sie weisen uns hin auf wichtige Gabelungen unseres Weges und wir können dank ihnen in einem Ausmass wachsen, wie es uns ohne sie nicht möglich wäre.

Wie also kommt es, dass nur die wenigsten mit dieser Seite des Gefühlsspektrums umgehen können und möchten?

Die Antwort ist einfach: Die allermeisten haben von klein auf vermittelt bekommen, dass diese Gefühle tunlichst zu vermeiden sind. Es gibt kaum Kinder, die mit dem Verständnis aufwachsen dürfen, dass es okay ist, traurig zu sein, Angst zu haben, sich zu schämen oder richtig sauer zu sein. Weder erhalten sie entsprechende Rückmeldung, wenn sie solche Empfindungen grad akut verspüren und ausdrücken, noch sind sie mit Vorbildern konfrontiert, die ihnen vorleben, dass es eben auch einfach okay sein kann, nicht okay zu sein.

Kinder lernen in allererster Linie am Modell: Somit dürfen wir Eltern unseren Kindern zeigen, dass zum Leben eben alle Gefühle gehören und wie man mit ihnen umgeht. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel unseren Kindern ehrlich antworten: „Ich bin wütend, weil ich mich über XY geärgert habe.“ Oder auch: „Puh, mir war das grad so peinlich!“.

Viele Eltern meinen, sie müssten immer „stark“ sein vor ihren Kindern aus der Angst heraus, ihre Kinder unnötig zu verunsichern oder zu belasten. Dabei ist diese Angst völlig unbegründet, so lange Eltern klarstellen, dass die Verantwortung für ihre Gefühle immer bei ihnen und nie beim Kind liegt.

Es ist im Zweifelsfall sinnvoll zu sagen: „Ich bin sehr traurig, weil XY das zu mir gesagt hat und mich das verletzt hat“ UND „Du brauchst Dich nicht zu sorgen, ich kann damit umgehen.“

So lernen Kinder nicht nur, dass es zum Leben dazugehört, dass man sich ärgert, traurig ist oder sich schämt. Sie lernen auch, dass das nichts Schlimmes ist. Zu guter Letzt können sie von uns übernehmen, wie man mit diesen Empfindungen umgeht und dass diese auch vorbei gehen. Und das ist ein immens wertvolles Rüstzeug fürs Leben.

Aber natürlich setzt das voraus, dass die Erwachsenen mit diesen Empfindungen auch tatsächlich umgehen können. Wenn Du jetzt denkst „Puh, keine Ahnung. Was soll ich denn machen, wenn ich traurig/wütend/peinlich berührt oder ähnliches bin?“ und es Dir den kalten Schweiss auf die Stirn treibt bei der Idee Gefühle dieser Art auszuhalten, dann melde Dich bei mir. Gemeinsam erarbeiten wir Strategien, die zu Dir passen und Dir helfen, zukünftig für Dich und Dein Kind einen gesunden Umgang mit allen Emotionen zu leben.

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