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Diese Woche kommt das Kind aus der Schule und erzählt stolz, dass es per Ende der Woche von der Lehrerin eine Überraschung erwarten darf. Neugierig frage ich nach, worauf es mir erklärt, dass die Kinder für jede „gute“ Tat an einem anderen Kind einen Glitzerstein erhalten, den sie in ein Glas legen. Ist das Glas per Ende der Woche voll, erhält das Kind eine Überraschung.
Mir bleibt die Spucke weg.
Lasst uns mal genau hinschauen: Was passiert da und warum ist das richtig grosser Mist?
- Weil Kindern etwas beigebracht werden soll, was sie von Natur aus schon mitbringen. Kinder sind hoch sozial, zumindest so lange, bis sie von Erwachsenen eines Besseren belehrt werden.
- Weil Kinder so – analog dem Training mit Hunden mittels „Leckerlis“ in Form von Glitzersteinen – trainiert werden sollen. Diese Idee aus dem Behaviourismus trieft vor Adultismus und darf uns zu recht anstössig vorkommen.
- Der absolut entscheidende Punkt: Hier wird die natürlich vorhandene intrinsische (innere) Motivation des Kindes sich sozial gegenüber anderen zu verhalten durch einen extrinsischen (äusseren) Anreiz ersetzt. Das Kind tut das Gute nicht mehr, weil es Gutes tun will, sondern weil es dafür etwas erhält – und damit ist die eigentlich schöne Geste nur noch Fassade.
Können wir uns vorstellen, dass Maria Teresa nach ihrem Tagewerk jeweils die Hand aufgehalten hat? Wäre sie dann noch die Person, zu der wir mit grossem Respekt blicken? Wohl eher nicht.
Die ganze Idee des Behaviorismus, oder anders formuliert des Lobens und Belohnens, zeigt einmal mehr auf, welch schlechte Meinung in unserer Gesellschaft über unsere Kinder herrscht:
Wir trauen ihnen nicht zu, dass sie einfach nur von sich aus Gutes tun wollen und meinen, wir müssten es ihnen mit Tricks und Strategien erst beibringen.
Stattdessen lehren wir sie genau das Gegenteil: Dinge nur noch zu tun, wenn sie dafür etwas bekommen.
